Paula ist heute mit Frau Hämmerle, ihrer Psychotherapeutin,
verabredet. Gemeinsam wollen sie klären, wie ein möglicher Klinikaufenthalt für
Paula organisiert werden kann und welcher Arzt, was, in welcher Form
verschreiben soll, damit die Krankenkasse so viel wie möglich übernimmt.
Die ganze Nacht wälzt sich Paula im Bett herum. Ich
mich irgendwann auch. Selbst als ich meinen Arm unter ihr herschiebe und sie an
mich ziehe, kann sie nicht still liegen. Ich kenne sie. Ich spüre ihre
Anspannung. Nachdem sie neulich schon – ’tschuldigung - zu nichts zu gebrauchen
war, als sie vom Termin mit Frau Hämmerle kam, ist mir völlig klar, woher die
Unruhe kommt.
Ich rasiere mich gerade, als das Telefon klingelt. „Nicht
schon wieder“, denke ich und nehme an, es sei unser Kind, das, wie schon
vorgestern, den Bus verpasst hat. Die Uhrzeit stimmt. Aber es ist Frau
Hämmerle. Sie ist krank. Das erfahre ich, als ich quasi schon aus der Haustüre
bin. Paula sieht mich mit leeren Augen an. Ich denke „Scheiße“. Ich muss los;
der Bus wartet nicht.
Auf dem Weg ins Büro überschlage ich, wie lange Fritz und
ich es wohl aushalten, wenn wir uns schon um 18 Uhr treffen. Nun denn, bis 21
Uhr sicher. Vielleicht länger. Länger als bis 23 Uhr eher nicht. Ich habe
Morgen einen Kundentermin, muss deshalb eine halbe Stunde früher los als sonst.
Wäre gut, ich könnte Paula noch mindestens ein halbes Ohr leihen, wenn ich
nachhause komme. Hören, wie es ihr geht.
Die erste Bürostunde ist noch nicht um, als Paula anruft:
Der von Frau Hämmerle empfohlene Spezialist hat erst Ende nächsten Monats einen
Termin frei. Paula ist verzweifelt. Ich nenne ihr die Adressen, die mir neulich
empfohlen wurden. Da will sie nicht hin. Frau Hämmerle wisse schon, was richtig
für sie, Paula, sei. Ich schlage vor, sie solle Frau Hämmerle doch noch mal
anrufen. „Ja vielleicht“, antwortet Paula, „aber erst heute Nachmittag“. Sie
zögert einen Augenblick. „Ich, ich“, sie schluchzt, „ich weiß nicht wie das
alles laufen soll.“
Auf dem Weg zum Treffen mit Fritz habe ich Bauchschmerzen.
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